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  • Simone Molitor

Eingebettet von Bäumen.

Hast Du schon einmal über eine Friedwaldbestattung nachgedacht? Die letzte Ruhestätte unter Bäumen. Immer mehr Menschen wünschen sich eine Bestattung außerhalb des Friedhofs.


Es ist ein Tag mitten in der Woche. Wir treffen uns am Eingang zum Friedwald. Wir, das sind der Bestatter, der Förster, eine kleine Gruppe von Familienangehörigen, Freunden, Gästen und ich. Wir sind rustikal und "waldtauglich" gekleidet. Mehr farbig als schwarz. Flache Sohlen. Darauf hat der Förster vorher aufmerksam gemacht. Alles ist vorbereitet, die Urne von U. zu seiner letzten Ruhestätte zu geleiten. An "seinem Baum", den die Familie sich ausgesucht hat, soll eine kleine Andacht stattfinden. Mit musikalischer Begleitung. U. hat Geige gemocht.


Der Weg führt einen Pfad entlang. Man muss aufpassen, über keine Wurzel zu stolpern. Es ist still. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Viele haben bis dahin noch keine Baumbestattung erlebt.


Am Baum angekommen, stellt der Bestatter die Urne neben einen Aushub. Die Stelle ist mit grünem Blattwerk ausgelegt. Blumen sind nicht erlaubt. Hier hat die Natur das Sagen. Die Ökologie wird nicht gestört. Aber für heute zumindest ist der Baum geschmückt. Das haben die Angehörigen sich gewünscht. Cremefarbene Rosen winden sich um den Stamm. Inmitten der anderen Bäume sieht "unser" Baum unwirklich aus.


Wir bilden einen Kreis um U.´s Urne. Die Geigerin spielt "Over the rainbow". Anschließend halte ich eine Rede. Zum Schluss gibt es noch einmal Musik. Dann verabschiedet sich jeder am Baum mit Blütenblättern. Das ist gestattet. Naturbelassene Rosenblätter.


Es hat die ganze Zeit über genieselt. Jetzt scheint die Sonne. Eine breite Bahn Licht fällt auf das Grab. Das sieht schön aus. Irgendwie tröstlich. Von den Blättern tropft es. Es riecht gut. Würzig und warm. Ich schaue mich um. Die Menschen sind traurig. Tränen fließen. Aber die Trauer ist gehalten. Von den Bäumen. Sie sind wie Persönlichkeiten. Da gibt es Gerade und Krumme. Verbogene und Verzweigte.


"Unser" Baum hat einen ganz geraden Stamm. Ohne Beulen und Dellen. Erst ganz oben beginnt die Krone. U.war eben auch ein "geradlieniger" Mensch. Er ging seinen Weg. Willensstark und ungebeugt. Seine Arme hielt er über seine Familie. Jetzt sind die Kronenblätter seine Arme .


Wir bleiben noch eine Weile am Grab stehen. Dann gehen wir. Ein letzter Blick auf den Baum mit den Rosen. Einen Tag lang dürfen sie bleiben. Dann kommen sie weg. Im Wald sieht es dann wieder aus, wie immer. Bis zur nächsten Trauerfeier, wo vielleicht wieder ein Baum ein Rosenkleid bekommt.





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